Tacos, Tempel und Tequila
Wer Glück hat, erreicht Mexiko-Stadt in der Nacht und hat einen Fensterplatz ergattert. Dann taucht die Stadt mit ihren Milliarden von Lichtern plötzlich vor den Augen aus der Dunkelheit der umliegenden Berge auf wie eine immense, pulsierende Galaxie, die sich bis zum Horizont zu erstrecken scheint. Ebenso beeindruckt wie der moderne Reisende muss wohl der spanische Eroberer Hernán Cortés gewesen sein, als er im Jahr 1519 auf die schon damals gigantische Aztekenmetropole Tenochtitlán stieß. Im Herzen der Stadt ließ er die Tempel und Paläste Moctezumas zerstören und an ihrer Stelle den heutigen Hauptplatz, den zócalo, errichten, an dem jede Erkundung der Stadt ihren Anfang nehmen sollte.
Blutige Geschichte, feurige Küche
Der riesige Platz ist ständig von lautstarken Demonstranten und/oder Straßenverkäufern belagert. Einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale, die aus den Steinen des zerstörten Haupttempels (Templo Mayor) der Azteken erbaut wurde, säumen ihn. Das Museum nebenan zeigt, was davon übrigblieb. Wer nach so viel Kultur und Geschichte mehr als einen café braucht, geht am besten auf ein feuriges Frühstück ins Traditionsrestaurant „Café de Tacuba", Namensgeber der bekannten mexikanischen Band. Ums Eck bietet sich das „Sanborns Casa de Azulejos" an, nur einen Steinwurf vom zócalo entfernt. Umgeben von wunderschönen Wandfliesen hat man hier die Gelegenheit, die fantastische mexikanische Küche zu probieren. Wer es gerne scharf mag, bestellt chilaquiles (Tacostreifen mit Käse und grüner Tomatensauce). Zartbesaiteten sei zu huevos rancheros (Rühreier mit Bohnen und Tomatensauce) geraten. Gestärkt kann man das Gassengewirr im Süden des centro historisch erforschen, wo Straßen auf jeweils eine Art von Produkten spezialisiert sind, von Drogerien bis hin zu Computergeschäften. Raubkopien en masse natürlich inbegriffen!
Alte Viertel, neu entdeckt
Im Gegensatz zu europäischen Städten schlägt das moderne Herz der Stadt längst nicht mehr im historischen Zentrum - zumindest untertags. Denn während die meisten chilangos, wie die Einwohner sich selbst nennen, bevorzugt in den trendigen Vierteln Condesa, Roma und Polanco ausgehen, hat die alternative Szene die heruntergekommenen Seitenstraßen des centro histórico zurückerobert. In der Straße República de Cuba hat eine Reihe von (nicht exklusiv) queeren Bars mit schrägem Inventar ihre überhippen Pforten geöffnet, etwa das „Marrakech". Wer's lieber etwas schicker hat, verlässt das Zentrum über den einzigen Prachtboulevard von Mexiko-Stadt, den Paseo de la Reforma, ein Vermächtnis des glücklosen österreichischen Kaisers Maximilian.
Im wilden Westen
Vorbei am fotogenen Ángel de la Independencia führt der Boulevard westwärts durch die Zona Rosa, das Vergnügungs- und Schwulenviertel der Stadt. Hier ballen sich die rein schwulen Bars, mit allen üblichen Begleiterscheinungen - Kommerzpop, Dragqueens und Stripshows. Ein vorwiegend junges Publikum und viel Lokalkolorit sind garantiert, etwa in der „Boys Bar" oder in den diversen Outlets des „Cabaretito".
(Schwule) Bobos von gestern und die Schickeria von heute bevorzugen das im Süden der Zona Rosa gelegene Viertel Condesa. An dessen von üppigen Bäumen beschatteten Straßen rund um den Parque México findet man einige der trendigsten Designläden, innovativsten Restaurants und coolsten Bars der Stadt. Die Design-Ikone des Barrios ist das Boutique-Hotel „Condesa DF", untergebracht in einem renovierten Art-Deco-Palais. Hier kann man auf der Dachterrasse seine Margaritas besonders stilvoll kippen.
Weiter nördlich und eine Gehaltsklasse höher gehen Reich und Schön mit Clutch und Kreditkarte bewaffnet in Polanco auf Shoppingtour. Die Calle Masaryk bietet Fashion Victims alle Luxusmarken, die ihr Herz begehren. Doch sind wir ehrlich, wer kommt schon deshalb nach Mexiko-Stadt?
Raus aus der Stadt
Also raus aus dem Großstadtgewusel und in den Norden zu den beeindruckenden Pyramiden von Teotihuácan. Oder mitten ins Traditionsviertel Coyoacán. Dieses diente schon so illustren Persönlichkeiten wie Hernán Cortés, Frida Kahlo und Leo Trotzki als Zufluchtsort. In den Gässchen mit seinen bunten Fassaden und überbordenden Pflanzen kann man den guten Teil eines Nachmittags verbringen. Absolutes Muss sollte jedoch ein Besuch der Casa Azul, des Wohnhauses Frida Kahlos sein, das einen Einblick in das schmerzvolle Leben der Ausnahmekünstlerin bietet.
An Wochenenden findet am Hauptplatz von Coyoacán ein Markt statt, auf dem man nicht nur die Souvenir-Checkliste abhaken, sondern auch mexikanische Küche für Fortgeschrittene probieren kann. Neben Tacos in zahlreichen Variationen gibt es hier auch selbstgemachte paletas (Eislutscher) aus exotischen Früchten, nopales (Kaktus) und, nur für Hartgesottene, gebratene Insekten und Süßigkeiten aus Chili!
Tequila und Testosteron
Wenn die Dunkelheit über die Hauptstadt hereinbricht, bietet sich ein Abstecher mit den neugewonnenen cuates (Kumpels) der vergangenen Partynacht nach Xochimilco, südlich von Coyoacán, an. Mit reichlich Tequila intus und guter Laune kann man dort eine trajinera, eine bunt bemalte Gondel (natürlich samt schnauzbärtigem Gondoliere) mieten und beim Schippern durch ein Labyrinth von Kanälen den Tag Revue passieren lassen.
Ein Zuviel an Agavenschnaps wird auf dem Rückweg ins Zentrum mit einem kalorienreichen Stopp am Tacostand ausgeglichen. Einer der besten ist „Los Parados" in Roma. Im sterilen Fliesenambiente werden bis in die Morgenstunden köstliche tacos al pastor (die Spezialität der Hauptstadt: Döner-artig gegrilltes Fleisch mit Ananas und frischem Koriander auf kleinen Tortillas) an den Stehtischchen verschlungen. Den chilientbrannten Gaumen besänftigt man mit horchata (Reismilch mit Zimt).
Mit einer anständigen Unterlage ist man nun bereit, sich erneut ins Nachtleben der Stadt zu stürzen. In den letzten Jahren hat sich „Karma-beat", das mexikanische Pendant zu Matinee, als Garant für Partys mit erstklassigen Housebeats und jeder Menge halbnackter Gymbunnys etabliert. Weniger Testosteron und mehr Attitude gibt's dagegen im „Pasaje América", dem derzeit beliebtesten Hipster-Hangout der Stadt.
72 Stunden später, wenn es Zeit für die Weiterreise ist, wird sogar der Argwöhnischste zugeben, dass der Distrito Federal nicht viel mit der für Smog, Kriminalität und Verkehrschaos bekannten Stadt gemein hat. Und mit gesundem Menschenverstand wird die einzige Gefahr sein, dass man nicht mehr weg will.
SCHLAFEN
Condesa DF
Avenida Veracruz 102
Colonia Condesa, 06700
www.condesadf.com
Habita
Av. Presidente Masaryk 201
Colonia Polanco
www.hotelhabita.com
W Mexico City
Campos Eliseos 252
Chapultepec, Polanco
www.starwoodhotels.com
ESSEN
Café de Tacuba
Tacuba No. 28
Colonia Centro
www.cafedetacuba.com.mx
Sanborns Casa de Azulejos
Madero 4
Colonia Centro
Taquería Los Parados
Monterrey 333, Ecke Baja California
Colonia Roma Sur
CLUBS & PARTY
ken Club & Lounge
Medellin 65
Colonia Roma
www.kenclub.com.mx
Envy
Paseo de Las Palmas 500
Colonia Lomas de Chapultepec
Marrakech Salón bar
República de Cuba 18
Colonia Centro
Pasaje América
5 de mayo 7
Colonia Centro
www.pasajeamerica.tv
Karmabeat
Verschiedene Locations
www.karmabeat.com.mx
KULTUR
Museo del Templo Mayor
Zócalo
Colonia Centro
Museo Frida Kahlo
Londres 247
Coyoacán
www.museofridakahlo.org.mx
Museo Nacional de
Antropología
Av. Paseo de la Reforma, Ecke Calzada Gandhi
Col. Chapultepec, Polanco

























