Film: Young Adult

Vangardist progressive mens magazine
Film: Young Adult

Wie ein Mädchen verpasst, erwachsen zu werden.

 
TEXT: Rainer Voggenberger
FOTOS: Universal Pictures  
 
Hinter der Fassade einer erfolgreichen Schriftstellerin lauert das Schicksal einer verzweifelten jungen Frau mit schlechten Manieren. Die Mavis-Gary-Story.

Egal ob Dr. House, Jerry Seinfeld, Jack Nicholson in „Besser geht's nicht" oder Mr. Burns bei den Simpsons, misanthropische Charaktere sind heutzutage genauso wenig aus der Filmlandschaft wegzudenken wie warme Schuhe im Winter oder die Musik in unseren liebsten Bars.
 
Die ungemütliche Männerschaft bekommt jetzt weibliche Konkurrenz. In „Young Adult" kreieren die beiden Herrschaften, die bereits in „Juno" zusammenwirkten (Diablo Cody und Jason Reitman), mit Mavis Gary (Charlize Theron) eine draufgängerische, manchmal witzige, manchmal bedauernswerte Person, und fechten damit einmal mehr die konventionelle Weisheit, der Hauptdarsteller müsse immer „nett" sein, vehement an. 
 
Mavis ist eine 37-jährige Jugendroman-Autorin, die es einfach nicht schafft, erwachsen zu werden, es vielleicht gar nicht will. Die ehemalige Kleinstadt-Prom-Queen lebt mit ihrem Hund in einer chaotischen Hochhauswohnung in Minneapolis. Sie ernährt sich schlecht, trinkt so fast jeden Abend einen über den Durst und ist trotz ihres Erfolgs als Ghostwriter-Autorin einer beliebten Jugendbuchreihe verzweifelt und unzufrieden mit ihrem Leben. Eines Morgens bekommt Mavis eine E-Mail ihrer Highschool-Liebschaft Buddy Slade (Patrick Wilson). Die Nachricht schlägt Mavis wie eine Faust ins Gesicht, da sich herausstellt, dass der Mann, den sie immer noch liebt, Vater wird. Mavis' ohnehin wacklige Gefühlswelt bricht damit nun endgültig in sich zusammen. 
 
A girl with a mission
 
Als Mavis in den Armen eines One-Night-Stands erwacht, beschließt sie, etwas zu unternehmen. Sie packt ihre Koffer und macht sich auf in ihre ungeliebte Heimat, um sich das zu holen, von dem sie glaubt, dass es ihr sowieso gehört: Buddy Slade. Dass ihre alte Liebe bereits glücklich verheiratet und gerade Vater geworden ist, schreckt sie nicht ab. Im Gegenteil: Mavis will Buddy aus den Fängen der beschaulichen Kleinbürgerlichkeit entreißen.
 
Matt, die Highschool und Schnaps


In Mercury, Minnesota, angekommen, trifft Mavis in einer Kneipe auf ihren früheren Klassenkameraden Matt (Patton Oswalt), der in der Highschool von homophoben Sportlern schrecklich verprügelt wurde, weil sie ihn für homosexuell hielten. Er ist von diesen Erlebnissen immer noch sichtlich gebeutelt und scheint seine Highschool-Zeit nie richtig verarbeitet zu haben. Matt, ein Eigenbrötler, der Actionfiguren bemalt sowie eine stattliche Menge an 90er-Jahre-Indie-Rockband-T-Shirts besitzt, hat etwas, das Mavis sehr schätzt: selbst gebrannten Schnaps. Die beiden verlieren sich im Laufe des Abends in Gesprächen über die Vergangenheit und ertränken die Erinnerung in großen Mengen an Hochprozentigem. Mavis geht, ohne Buddy getroffen zu haben, betrunken und einsam nach Hause.
 
Das Mädchen mit den schlechten Manieren


Am nächsten Morgen erwacht Mavis verkatert in ihrem Bett, kommt erst gegen Nachmittag in die Gänge und brezelt sich am Abend dann auf, um diesen arglosen Sportler, der sie einst liebte, nun endlich zu besuchen.
 
Die Geschichte rund um Buddy Slade wird in einer Serie von sich wiederholenden Szenen abgefertigt. Mavis' schlechtes Benehmen, meistens unter Beisein der Ortsbewohner, steigert sich darin von Mal zu Mal. Der Höhepunkt ihres peinlichen Verhaltens wird bei der Namensparty für Buddys Baby erreicht. Bei verschüttetem Wein und unliebsamen Offenbarungen verliert Mavis nun endgültig die Kontrolle.
 
Das Ende des Films vermeidet Klischees auf Kosten von Glaubwürdigkeit mit einem schmutzigen Witz, der uns veranlasst, Mavis doch noch zu lieben - aber nicht trotz, sondern wegen ihrer ungezähmten Eitelkeit. Die Story beweist einmal mehr, dass es oft hart sein kann, sich in verkrusteten, ländlichen Gesellschaftsschichten zu behaupten. Kürzer als ein schiefgelaufenes Blind Date und saurer als Essig versteht es „Young Adult", sein brillantes, zynisches Herz hinter der oberflächlichen Milde eines Mainstream-Films zu offenbaren.
 

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