Eine Jobmesse sorgt für deine Karriere
INTERVIEW MIT STUART B. CAMERON
Wie entstand die Idee zum Veranstalten der MILK Messe?
Vor etwa zwei Jahren besuchte ich mit einem Freund, meinem jetzigen Geschäftspartner Anders Wikberg, eine Networking-Veranstaltung in München. Im Laufe unseres dortigen Gesprächs habe ich ihm von meiner Idee – einer Karriereveranstaltung für Schwule und Lesben – erzählt. Er kam dabei auch zu der interessanten Feststellung, dass Schwule und Lesben untereinander kaum Networking betrieben. Wir präzisierten, wie eine solche Veranstaltung aussehen könnte, und erkannten rasch, dass die beiden Faktoren sexuelle Orientierung und Karriere gut zusammenpassen würden. Das war die Geburtsstunde des Projekts.
Mussten dafür größere Hindernisse überwunden werden?
Bei der Idee nicht, aber bei der Umsetzung. Es gibt nach wie vor sehr viele Firmen, die sich mit dem Thema LGBT nicht befassen möchten und das LGBT-Recruiting-Potenzial noch nicht erkannt haben. Zum anderen – und damit hatten wir weniger gerechnet – gibt es Schwule und Lesben, die unserem Projekt skeptisch gegenüberstehen. Viele glauben, dass ihre sexuelle Orientierung nichts mit ihrer Arbeit bzw. ihrem Job zu tun hat – das hat sie aber!
Warum braucht man so eine Messe überhaupt?
Warum braucht man ein Onlinemagazin wie VANGARDIST? Diese Frage hören wir öfter und finden es interessant, dass man dabei gar nicht merkt, dass es keine einzige Karriere- und Jobmesse gibt, die man wirklich braucht. Die MILK Messe ist einfach ein einzigartiges Job- und Karriereevent für junge, karriereinteressierte Talente und Professionals sowie für offene Unternehmen, denen es wirklich egal ist, ob jemand schwul, lesbisch oder hetero ist.
Wie wird es mit der Messe weitergehen?
Wir werden den Eventcharakter der MILK verstärken – zu Neudeutsch, ein Social Event daraus machen. Wie der genau aussehen soll, möchte ich aber noch nicht verraten.
Was bedeutet die MILK Messe für dich persönlich?
Sehr viel Spaß und die Chance, Veränderungen in Unternehmen mitzugestalten. Die MILK Messe ist für viele Unternehmen noch Neuland, so dass wir mit sehr vielen interessanten Menschen in Kontakt kommen.
Wenn du an die MILK Messe des letzten Jahres denkst: Was war dein persönliches Highlight? Gab es irgendeinen Augenblick, der dich besonders berührt hat?
Da gab es mehrere. Besonders hat mich das Feedback einer 29-jährigen Ingenieurin gefreut: „Ich bin nicht lesbisch, aber Karriere machen will ich dennoch. Und das zur Abwechslung mal in einer Umgebung, wo man nicht zu jedem Schwulenwitz gequält lächeln muss, weil er vom Chef kommt. Ich finde euer Konzept klasse und möchte über euch an einen besseren Arbeitgeber vermittelt werden.“
Hast du selbst irgendwelche Tipps für junge Menschen, die Karriere machen wollen? Wodurch, würdest du sagen, hast du vieles erreicht?
Ich glaube persönlich daran, dass man neben einer guten Allgemeinbildung in einer Sache besonders gut sein muss. Dabei muss ich oft an die 10.000-Stunden-Regel denken. Daniel Levitin stellte diese Regel auf. Er fand heraus, dass sich jeder mit einer Sache mindestens 10.000 Stunden beschäftigen müsse, bevor er über die nötigen Kenntnisse verfüge, um in seinem Bereich zur Weltspitze gehören zu können.
Um sich nicht tausende Stunden mit etwas "Falschem" zu beschäftigen, empfehle ich die Frage "Was würdest du in deinem Leben ändern, wenn du nur noch fünf Jahre zu leben hättest?" Ich kann mittlerweile von mir behaupten, dass ich fast nichts mehr ändern würde, und wenn, dann nur den nächsten Urlaub nach Südafrika buchen würde, um endlich mit einem weißen Hai schwimmen gehen zu können.
Du legst mit dem Veranstalten der Messe und des Kongresses ja besonderes Engagement in Sachen Diversity Management an den Tag. Hattest du persönliche Rückschläge oder Erlebnisse, bei denen du dir mehr Aufgeklärtheit und Verständnis deines Gegenübers gewünscht hättest?
Ich wurde zwar selbst schon in meiner Ausbildung gemobbt, eben weil ich schwul bin, aber das hatte mich nicht wirklich dazu gebracht, mich für Diversity Management zu engagieren. Es war eher die Zeit bei meinem letzten Arbeitgeber, wo ich ganz offen schwul sein konnte. Ich war verblüfft über das befreiende Gefühl, einfach so zu sein, wie ich bin, ohne auf irgendwelche outende Äußerungen aufpassen zu müssen. Diese Erfahrung muss man erst einmal erlebt haben, um zu verstehen, was das für eine neue Lebensqualität ist. Danach will man niemals wieder zurück in die Scheinidentität.
Link:
http://www.milkmesse.de

























