Ken-st du noch Barbie?

Kunst

Ken - wer ist eigentlich Ken? Das fragt sich auch die kanadische Kunstfotografin Dina Goldstein in ihrem neuen Projekt „In the Dollhouse". Egal ob Schoßhund, Liebhaber oder Ehemann - eins ist gewiss: Der Haussegen hängt mächtig schief.
 
Am Valentinstag letzten Jahres atmet die Welt beruhigt auf. Ken und Barbie sind wieder zusammen. Während sich die mächtigste Puppe der Welt zeitweilig mit Surfer Blaine vergnügte, wurde der Verstoßene aufs mattel'sche Abstellgleis geschoben. Nach vierzig Jahren Liebesglück eine bittere Pille für den schnieken Plastik-Boy. Doch schlussendlich, sieben Jahre nach dem herzzerreißenden Liebesaus, verkündet Barbie auf ihrer Facebookseite die frohe Botschaft: „Eine Puppe weiß, wenn es Liebe ist und ich habe schließlich erkannt, dass mein Herz nur für Ken schlägt." Glückwunsch Ken, du bist wieder auf dem Markt, was deine unzähligen Freunde auf Facebook beweisen.
 
Doch irgendwas muss sich doch verändert haben an einer mittlerweile 51 Jahre andauernden Liebschaft. Barbies Lotterleben soll hier nur am Rande Erwähnung finden. Ist die Barbie von Heute für Ken noch die Barbie von Damals und der Ken von Heute für Barbie noch der Ken von Damals? Schwer vorstellbar. Denn wenn alles dem Wandel der Zeit unterliegt, so muss sich doch auch unser Traumpaar entwickelt haben. Auch Barbies Facebookprofil liefert keine Antwort auf diese Frage und schwärmt permanent vom Gutmenschen Ken. Was geht also wirklich vor im Traumhaus des Traumpaares? Dina Goldstein vermag es uns an dieser Stelle intime Einblicke in die traute Drei-, Verzeihung!, Zweisamkeit der Beiden zu geben.
 
Während Ken sich die Beine rasierend in der Badewanne räkelt, leidenschaftlich in Klatschzeitschriften blättert und sich für halsbrecherische High Heels entscheidet, stutz sich Barbie unter Tränen die blonde Mähne zu einem Pixie zurecht, besäuft sich, da der Angetraute nicht zum gemeinsamen Dinner erscheint und erwischt Ken mit einem Mann im Schlafzimmer.
 
Hin ist die Romantik, die Leichtigkeit und der Hauch Kitsch. Ängste und dunkle Begierden, die jahrezehntelang unterdrückt wurden, kommen ans Tageslicht und zerstören das klassische Image des „Happy Couple". Dina Goldstein zwingt die Beiden zur Reflektion und entlarvt das selbst auferlegte Rollendenken als realitätsverzerrend und selbstverleugnend.
 
Ein Traum zerplatzt. Der Zeitgeist siegt über die Ikone.
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
weitere Infos: inthedollhouse.net
 
(Text: Carla Maria Losch, Fotos: Dina Goldstein)

 

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