Kurzfilm: The Boundaries of Life and Death

Film

Die Grenzen von Leben und Tod will Saskia Kretzschmann zusammengefasst haben. Ohne ein gesprochenes Wort, ohne einen echten Schauspieler, ohne Farbe und in kaum mehr als einer Minute. Eine eher schwierige Aufgabe, könnte man meinen.

Untermalt wird diese intensive Minute von Thomas Mayer am Klavier, während eine saubere Scherenschnittanimation die nächste jagt. Was anfängt mit einem sterbenden Vogel, über dem neue Pflanzen sprießen, wird schnell zu einem umso bildgewaltigeren Erlebnis. Kretzschmann greift tief in die Symbolikkiste, doch kurz gefasst sind vor allem zwei dieser Bilder wichtig.

Erstens ist da der Verweis auf den Día de los Muertos in Form eines Totenkopfes, der aus dem nichts mit feinen Linien verziert wird. Direkt nach diesem Hinweis auf den Tag, an dem gefeiert wird, dass der Tod wichtiger Bestandteil des Lebens ist, folgt ein umso tiefgreifenderes Symbol: Zwei Schlangen, die sich gegenseitig in die Schwänze beißen, sind eine klare Anlehnung an den Ouroboros, der letztlich nichts Anderes ist als die mythologische Verarbeitung vom vielzitierten Kreis des Lebens. Schön dabei ist natürlich, wie eben dieser Ouroboros im nächsten Augenblick zur Iris des Vogels wird und damit das Anknüpfen an den Anfang ankündigt.
 
Neben diesen beiden Motiven finden sich noch diverse andere, die entdeckt werden wollen. Mehrmaliges Anschauen kann in diesem Fall nur empfohlen werden. The Boundaries of Life and Death in kaum mehr als einer Minute zu schaffen ist eine schwierige Aufgabe, könnte man meinen. Doch spätestens, wenn man diesen Kurzfilm das dritte Mal gesehen hat, muss man neidlos anerkennen, dass Saskia Kretzschmann da exzellente Arbeit geleistet hat.
 
 

 
The Boundaries of Life and Death
written and directed by: Saskia Kretzschmann
music by: Thomas Mayer
 
(Text: Wilke Weermann)

 

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