Der Valentinstag - Ein Tag der öffentlichen Liebe. Auch für Schwule?

Gesellschaft

Wie jedes Jahr wird heute wieder der Valentinstag gefeiert. Er gilt als der Tag der Liebenden und wird in vielen Ländern rund um den Globus mit zahlreichen Bräuchen begangen. Das Einnehmen verschiedener Speisen, die der Fruchtbarkeitssteigerung dienen sollen, gehört ebenso dazu, wie das Verschenken von Blumen und Pralinen. Überall gehen die Menschen auf die Straßen und feiern gemeinsam mit ihren Partnern den Tag der Liebe. Doch leider liegt bei Homosexuellen oftmals ein merkwürdiger Schatten über dem rosaroten Valentinstag.

Der Valentinstag ist ein Tag, der wie kein anderer Heterosexualität als soziale Norm voraussetzt und auch fordert. Damit stehen viele Homosexuelle/Bisexuelle und Transgender an diesem Tag auch unter einem gewissen sozialen Druck. Homosexuelle werden immer noch in vielen Ländern wegen ihrer Liebe oder einfach wegen ihrer Existenz verfolgt und bestraft. In 76 Staaten ist Homosexualität verboten und in sieben Ländern droht Lesben und Schwulen wegen ihrer sexuellen Identität sogar die Todesstrafe. Und es scheint, als wäre das „Homophobie-Feuer" immer noch nicht ganz erloschen. Da fällt es nicht jedem leicht, zu seiner Sexualität zu stehen und gerade an einem „Valentinstag" diese auch zu feiern, leider.
 
Homophobie ist heutzutage immer noch ein top-aktuelles Thema, mit dem sich auch der Jung-Regisseur Gregor Schmidinger in seinem Kurzfilm "Homophobia" beschäftigt.
„Homophobia" wird ein 20 bis 30 minütiger Kurzfilm, der im Februar 2012 gedreht und seine Premiere in der Woche des 17. Mai, dem Tag gegen Homophobie und Transphobie, haben wird.
Der ausschlaggebende Grund für den Film war der Selbstmord von Jamey Rodemeyer, der im Mai vergangenen Jahres ein Video für die US-Kampagne "It Gets Better" aufgenommen hat, jedoch einige Monate später seinem Leben ein Ende setzte, da er mit dem Mobbing nicht mehr fertig wurde.

VANGARDIST hat Gregor Schmidinger zum Thema „Homophobie" befragt.
 
VANGARDIST: Was ist die Hauptursache für Homophobie, deiner Meinung nach?
Gregor Schmidinger:
Es ist natürlich ein sehr komplexes Phänomen, aber wie der Name schon sagt, ist meiner Meinung nach der zu Grunde liegende Kernkonflikt Angst. Ich denke, dass Hass ein Schutzmechanismus ist um mit Angst umzugehen. Dabei ist es egal ob es sich um Homophobie oder z.B. Xenophobie handelt. Die Angst vor dem Fremden und Unbekannten bildet für mich dabei immer die Basis.
 
V: Wie geht man am besten mit „Homophoben Situationen/Anschuldigungen" um?
GS: Zum einen sollte man homophobe Aussagen nicht einfach hinnehmen, auch wenn dies in der Situation die einfachere Wahl scheint. Es ist wichtig darauf aufmerksam zu machen, dass Witze, Kommentare oder einfach Phrasen wie "Ist das schwul!" unangebracht und verletzend bzw. diskriminierend sind.
 
V: Was sind geeignete Handlungsstrategien?
GS: Man sollte nicht zum militanten Moralapostel mutieren. Das beste wäre selbstbewusst darauf hinzuweisen ohne dabei zu verurteilen. Die meisten Aussagen sind ja nicht per se homophob gemeint.
Sollte es jedoch in Richtung Bullying gehen, dann sollte man definitiv Hilfe, wie im Falle von Schülern, z.B. Lehrer aufsuchen.

V: Was möchtest Du mit deinem Film erreichen?
GS: Mein Ziel mit „Homophobia" ist zum einen all jenen, die selbst mit homosexuellen Gefühlen kämpfen, Mut zu machen diese, und dadurch sich selbst, zu akzeptieren. Zum anderen möchte ich aber auch durch eine emotionale Perspektive auf das Thema, Empathie und dadurch auch ein Bewusstsein für all jene schaffen, die selbst nicht aktiv davon betroffen sind.

V: Was ist Dein Hauptanliegen?
GS: Meine Hauptanliegen sind demnach, die emotionale Stärkung Betroffener und die allgemeine Bewusstseinserweiterung, um als Gesellschaft hoffentlich bald in eine Post-Gay-Ära, in der nicht länger sexuelle Orientierungen kategorisiert werden, über zu gehen.

V: Welchen persönlichen Rat kannst du Betroffenen geben?
GS: Prinzipiell hab ich die Erfahrung gemacht, umso normaler und selbstbewusster man selbst mit der Thematik Homosexualität umgeht, desto einfacher fällt es anderen, dies zu akzeptieren.
 
Fazit:
Es ist wichtig, zu seinen Gefühlen und seiner sexuellen Einstellung zu stehen. Gerade am Valentinstag, an dem die Liebe zum Partner im absoluten Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, sollte man sich nicht auf Grund veralteter Meinungen anderer verstecken müssen, sondern zu dem stehen, was man ist.
Auch wenn die Themen Homo/Transphobie immer noch aktuell sind, ist es doch auch wichtig anzumerken, dass wir in einer modernen Welt leben, in der sich die Einstellung der heranwachsenden Menschen immer mehr „modernisiert" und man nicht mehr/immer weniger an seiner Sexualität gemessen wird. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass ein Zusammenleben und auch dessen „Präsentation" in der Öffentlichkeit vorurteilsfrei möglich werden. Ohne Vorurteile, ohne verachtende Blicke anderer, in einer Gesellschaft, in der Offenheit und Akzeptanz im Mittelpunkt stehen.
Damit die Bilder von glücklichen Partnerschaften, unabhängig vom Geschlecht und der sexuellen Orientierung wieder häufiger und vor allem gerade an öffentlichen Festen & Feiertagen zu sehen sind.
(MaE)
 

 
Infos zum Thema Homophobie und Hilfe für Betroffene gibt es unter den folgenden Links:
queeramnesty.at
homophobie.at
schule-der-vielfalt.de
buendnis.Isvd.de

 

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